Oleg Popov wurde am 31. Juli 1930 unweit von Moskau in der Kleinstadt Viroebovo geboren. Er ist der Clown der ehemaligen Sowjetunion, der in der ganzen Welt mit Abstand die größte Popularität erlangt hat. Mit sieben Jahren erfuhr sein Leben einen tiefen Einschnitt, als sein Vater verhaftet wurde und in einem stalinistischen Lager verschwand.

Oleg Popov begann als Zwölfjähriger eine Lehre als Schlosser bei der Parteizeitung „Prawda“. Statt eines Gehalts bekam er einen Essensgutschein für ein halbes Kilo Brot pro Tag. 1944 schloss Popov sich dem „Prawda-Sportclub“ an. Bei einer Sportveranstaltung fiel er dem Leiter der staatlichen Zirkusschule auf. Oleg Popov bestand die Aufnahmeprüfung, lernte jonglieren, tanzen, singen und musizieren. Nach Jahren der Ausbildung durfte er bei Unterhaltungsabenden in Kolchosen mitwirken und erhielt dafür Gutscheine für Fleisch und Brot.

1949 unterzeichnete junge Popov einen unbefristeten Vertrag beim sowjetischen Staatszirkus. Schon damals trat er in dem für ihn bis heute typischen Kostüm vor der das Publikum. Die langen blonden Haare, verdeckt von der karierten Mütze, das schwarze Samtjäckchen und die gestreiften Hosen wurden rasch zu seinem Markenzeichen. Ebenso so das Gesicht, das nur dezent geschminkt ist. Popov überzeugt mit seinem Charme. Deshalb hat man ihn auch in der Presse den „sonnigen Clown“ genannt, der in kleinen lyrischen Szenen zwischen den einzelnen Nummern gleich eine Brücke zu den Zuschauern findet.
Als Popovs Lehrjahre lässt sich die Zeit der Zusammenarbeit mit dem damals berühmten und beliebten Clown Karandasch (übersetzt: kleiner Bleistift) bezeichnen. 1950 durfte er ihm auf einer gemeinsamen Tournee assistieren.

Das Pech des Clowns Borovikov, der sich während einer Vorstellung eine Rippe brach, verhalf Oleg Popov 1954 zum endgültigen Durchbruch. Er ersetzte den verletzten Clown und improvisierte mit wenigen Gegenständen aus der Küche eine komische Nummer, die das Publikum begeisterte.

1956 wurde der Staatscircus vom damaligen Parteichef Chruschtschow auf eine Tournee durch Westeuropa geschickt. Brüssel, Monte Carlo, München, Frankfurt und Berlin waren die Stationen der Vorstellungen, die alle ausverkauft waren. Oleg Popov wurde von der Presse gefeiert. Eine weitere Tournee durchs westliche Ausland folgte schon 1958. Ein Jahr später durften den Clown auch die Zirkusfreunde in Japan und Australien bewundern. Überall wurde Popov zum gefeierten Star. 1961 eroberte er den New Yorker Madison Square Garden. Er und seine Kollegen traten stets vor ausverkauftem Haus auf. Popovs Tagesgage betrug 25 US-Dollar.

1982 wurde Oleg Popov eine besondere Ehre zuteil. Beim renommierten Zirkusfestival von Monte Carlo nahm er aus der Hand von Fürstin Gracia Patrizia den „Goldenen Clown“ entgegen. Roncalli-Chef Bernhard Paul bezeichnete Oleg Popov anlässlich dessen 80. Geburtstags 2010 als „besten Clown der Welt“.

Charlie Rivel war einer der bekanntesten Clowns der Welt. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verzauberte er Kinder und Erwachsene gleichermaßen.

Der Spanier Charlie Rivel wurde am 28. April 1896 als Josep Andreu i Lasserre Cubelles in eine Artistenfamilie hineingeboren. Sein Großvater hatte einen Zirkus gegründet, der als Familienunternehmen betrieben wurde, und in dem neben dem Vater auch die vier Brüder von Charlie Rivel ein eher karges Dasein fristeten. Bereits als Dreijähriger trat der kleine Josep als Gewichte aus Schaumstoff stemmender Clown auf. Im Jahre 1907 feierte er seinen Durchbruch während eines Engagements bei dem Pariser Zirkus Lambert. Der große Erfolg führte ihn in viele Länder darunter in die Vereinigten Staaten, England und Deutschland. 1910 nahm er den Künstlernamen Charlie an, nachdem er den großen von ihm sehr verehrten englischen Komiker und Schauspieler Charlie Chaplin persönlich kennengelernt hatte. Auch zu dem großen deutschen Komödianten Karl Valentin entwickelte sich eine Freundschaft. Valentin schenkte dem Clown sogar ein „Bombardon“, eine Blasstuba, weil dieser ihn als „einziger zum Lachen gebracht“ hatte. Bis 1934 tat Rivel zusammen mit seinen Brüdern bis zur Auflösung der Gruppe unter dem Namen „The Rivels“ auf. Anschließend war Charlie Rivel nur noch als Solokünstler tätig. 1943 hatte der Hitler sehr freundlich gegenüberstehende Clown einen Auftritt in Nürnberg, als die Stadt bombardiert wurde. Daraufhin zog sich Rivel mit seiner Frau Carmen und den vier gemeinsamen Kindern auf seinen Besitz nach Frankreich zurück, wo er sich seinen Hobbys, dem Angeln, der Blumen- und Geflügelzucht, widmete.

Erst als der ebenfalls sehr bekannte Clown Grock ihn zu einer Tournee überreden konnte, kehrte Rivel 1952 auf die Bühne zurück. Die Tournee führte ihn bis nach Wien und wurde sein großes Comeback. Danach feierte er bis in die Siebziger Jahre zusammen mit drei seiner Kinder unter dem Namen “Charlie Rivel and the Charivels” große Erfolge. 1981 gab er im Zirkus Krone in München seine Abschiedsvorstellung. Nach dem Tode seiner Frau heiratete er 1982 die wesentlich jüngere Margarita Camas. Bereits ein Jahr später erlitt er einen Schlaganfall, von dessen Folgen er sich nicht erholen konnte. Charlie Rivel starb am 26. Juli 1983 in Sant Pere de Ribes in Spanien.

Zu den bekanntesten Markenzeichen von Charlie Rivel gehörte ein rotes Kostüm, das bis auf den Boden reichte und oft „Wursthaut“ genannt wurde. Auf dem Kopf trug er eine Glatzenperücke mit einem roten Haarkranz. Das Gesicht war stets sehr grell in den Farben rot und weiß geschminkt, die Nase zierte eine viereckige rote Pappnase. Unvergessen bleibt neben seinem herzzerreißenden Schluchzen sein Ausspruch „Akrobat schöööön“, der 1931 in Berlin aus einer Laune heraus entstand, und dem er jahrzehntelang treu blieb. Ihm zu Ehren drehte der deutsche Regisseur Wolfgang Staudte in den letzten Kriegsjahren einen Film mit diesem Titel. Charlie Rivel erhielt für sein Schaffen zahlreiche Preise und Ehrungen, auch Denkmäler wurden ihm zum Gedenken in Barcelona und auf Ibiza errichtet.

Am 19. Dezember 1896 wurde in Samara der italienische Jongleur Enrico Rastelli geboren, der für viele der beste Jongleur seiner Zeit war und darüber hinaus bis heute ist. Ihm wird nachgesagt, dass er der erste namentlich bekannte Artist gewesen ist, dem es gelang, zehn Bälle auf einmal zu jonglieren. Auf einer öffentlichen Bühne hat er diese meisterhafte Leistung jedoch nie zum Besten gegeben.

Enrico Rastelli war Sohn des Artistenpaares Giulia Rastelli Bedini und Alberto Rastelli. Seine Eltern führten ihn schon früh in das Künstlerleben ein und so trat Enrico bereits als kleines Kind in einer Luftakrobatik-Show seiner Mutter und seines Vaters auf. Einige Jahre später formierte er zusammen mit seiner Mutter und dem angelernten Jongleur Serafino Iwanow ein erfolgreiches Äquilibristik-Trio. Diese frühen Leistungen im Jonglieren verdankte Enrico Rastelli nicht alleine seinem herausragenden Talent. Er erlernte sie von Kindheitsbeinen an im Zirkus Truzzi in Russland unter der Leitung des Zirkusbesitzers Massimiliano Truzzi. Nach einigen Jahren in Russland wurde Enrico Rastelli schließlich hauptsächlich in den USA und im Westen Europas als Jongleur tätig. Viele seiner Wurfnummer entwickelte er selber. Diese waren so spektakulär und einzigartig, dass der junge Italiener schnell an internationaler Bekanntheit gewann. Dazu gehörte unter anderem, dass er der erste Jongleur gewesen ist, der auch mit Bällen aus elastischem Gummimaterial arbeitete. Mit 26 Jahren trat Enrico Rastelli im renommierten Varieté Hippodrome in London auf. Ein Jahr später zeigte er eine herausragende Vorstellung im Hippodrome Theatre im New York.

Die künstlerischen Darbietungen von Enrico Rastelli waren stets durch eine scheinbare Leichtigkeit gekennzeichnet, was nicht nur das allgemeine Publikum über die Maßen beeindruckte. Auch berühmte Zeitgenossen wie der deutsche Künstler Joachim Ringelnatz schwärmten von seinem kinderleicht anmutenden Können. Dieses zeigt er auch am 1. August 1930 im Düsseldorfer Apollotheater im Rahmen einer Jongliervorführung im Fußball-Stil, die in der rheinischen Stadt Premiere feierte. Dank seines außergewöhnlichen Ballgefühls balancierte der Italiener bei dieser Darbietung kunstvoll auf einem großen Lederball, während er zur selben Zeit mehrere Fußbälle unterschiedlicher Größe bei sich trug. Einer schien zwischen Rist und Wade zu schweben, der andere war im Nacken eingeklemmt und indes zwei Bälle auf nach vorn gestreckten Zeigefingern balancierten, hafteten zwei weitere Bälle am nach hinten schwingendem Bein Rastellis bzw. an seiner Ferse und Fußrücken. In weiteren deutschen Städten wiederholte er diese ereignisreiche Vorstellung, welche stets von euphorischen Beifallsstürmen begleitet war.

Am Nikolaustag im Jahr 1931 hatte Enrico Rastelli den Höhepunkt seiner Bekanntheit zu Lebezeiten erreicht und trat zum ersten Mal in der Heimat auf einem Wohltätigkeitsfest im italienischen Bergamo in der Nähe von Mailand auf. Gefühlsmäßig mag dies einer seiner bedeutendsten Auftritte gewesen sein, es war aber auch seine letzte Vorstellung. Nur siebe Tage später kurz vor seinem 35. Geburtstag starb der junge Artist an den Folgen einer Hirnhautentzündung. Er hinterließ eine Ehefrau und drei Kinder.

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