Die Osmani’s sind zwei Schwestern, die über drei Jahrzehnte erfolgreich als Akrobaten in weltweiten Tourneen auftraten. Julia und Connie Osmani wurden 1920 und 1922 in den Niederlanden geboren, ihre Herkunft ließ ihre Laufbahn nicht vorahnen: Ihr Vater war Diamantenhändler in Amsterdam, die Mutter arbeitete in einem Internat. Als die Schwestern gemeinsam die Ballettschule besuchten, lernten sie den Akrobat Jan kennen, Julias späteren Ehemann. Er weckte ihre Begeisterung für die Akrobatik, gemeinsam gründeten sie kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs eine Akrobatik-Gruppe.
Bescheidene erste Auftritte in Vereinen und auf Kleinbühnen wurden nach Kriegsbeginn abgelöst durch professionelle Unterhaltungsshows für Soldaten. Die Schwestern machten die Akrobatik nun endgültig zum Beruf. Jan hatte bereits einen Agenten, der der Gruppe eine Reihe weltweiter Engagements verschaffen konnte. Die Akrobatikgruppe trat in Spanien und Kuba auf, in Südafrika, Südamerika und Moskau.
In dieser Zeit machten die Schwestern ihre ersten Erfahrungen in der Ausbildung von Akrobaten, als sie ziemlich schnell eine Ersatzfrau für die schwangere Julia finden und komplett ausbilden mussten. Die erste Ausbildung gelang, das Mädchen blieb noch sieben Jahre bei den Akrobaten. Auch Julias Sohn und ihre Tochter wurden bereits in sehr jungen Jahren als Artisten ausgebildet. Auch hier zeigte sich das Ausbildungstalent der Schwestern. Bereits mit 11 und 14 Jahren bildeten die Kinder zusammen mit den Schwestern die Akrobatikgruppe.
Der Star der Truppe war Julias Sohn, der aufregend hohe Handstände und sensationelle Salti beherrschte. Seine Militärdienstbefreiung erforderte ein festes Engagement, das die Familie zu einem kleinen Familienzirkus aus Irland führte. Die Schwestern wurden von der chaotischen, aber herzlichen Atmosphäre des kleinen Zirkus endgültig für das Artistenleben eingenommen. Der Kontakt zum Zirkus hielt immer an. In dieser Zeit hatten die Osmani’s auch Auftritte in Hongkong und Thailand, bei denen sie Wissen über die asiatische Tradition der Akrobatik erlangten. Auch bei der anschließenden zweiten Einladung nach Südamerika trat die Truppe in einer chinesischen Show auf, bis diese keine Mittel mehr hatte. Zurück in den Niederlanden, ließ der Erfolg dagegen auf sich warten, weshalb sich Connie und Julia nach der Heimkehr mehrere Jahre auf das Familienleben konzentrierten.
Die Kontakte in die Akrobatik-Kreise waren nicht abgerissen. Als die Schwestern bereits über 50 Jahre alt waren, kam die erste Ausbildungs-Anfrage. Connie und Julia sollten Artisten für eine Clown-Show mit Akrobatik ausbilden. Sie hatten sich nun endgültig als fähige Ausbilder von Akrobaten einen Namen gemacht. In der Folgezeit erhielten Schwestern immer mehr Ausbildungsgesuche. Seit 1974 sind die Schwestern in ihrer holländischen Heimat dauerhaft als Akrobatik-Trainer tätig. Sie trainierten bis zu drei Gruppen pro Woche und konnten mit dieser Arbeit einen maßgeblichen Einfluss auf die moderne Akrobatik ausüben.
Sie begründen damit zusammen mit den Como-Brüdern eine holländische Schule, die später starke Leistungsverbesserungen ermöglichte und in den 1990er Jahren zur Gründung vieler Akrobatik-Gruppen in Holland und in Deutschland führte.